Wo ist in Deutschland der Whistleblower?

Gibt es den Whistleblower in Deutschland?

Die Sinnhaftigkeit eines Whistleblower-Systems im Unternehmen

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Der Whistleblower – bald in Deutschland eine Normalität?

Sogenannte Whistleblower können die Aufklärung von Unregelmäßigkeiten in Unternehmen fördern und so dabei helfen, wirtschaftlichen Schaden von Unternehmen abzuwenden. Das verbessert selbstverständlich auch die Reputation. Unverständlich ist daher, wieso so viele Unternehmen auf entsprechende Meldesysteme verzichten. Die Jagd auf den vielleicht berühmtesten Whistleblower Edward Snowden mag für viele vielleicht abschreckend sein. Dennoch haben interne Meldesysteme durchaus ihre Berechtigung. Große Unternehmen wie Siemens und MAN unterhalten mittlerweile Hotlines, damit anonym Hinweise auf Missstände im Unternehmen abgegeben werden können. Nichtsdestotrotz haben sich Hinweisgeber-Systeme in der Wirtschaft aber längst nicht etabliert, obwohl deren Wirksamkeit unbestritten ist.

Die Effektivität von internen Meldesystemen

In knapp 40 Prozent der Unternehmen treten Missstände wie Finanzzahlenfälschung, Korruption, Wirtschaftsspionage, Betrug, Diebstahl, Unterschlagung, Mobbing oder auch sexuelle Belästigung immer wieder auf. Nicht selten kommen dabei erhebliche wirtschaftliche Schäden zum Vorschein. Durch entsprechende präventive Instrumentarien kann man erfahrungsgemäß als Unternehmen die Schäden vermeiden oder zumindest erheblich reduzieren. Es ist daher erstaunlich, dass viele Unternehmen in Deutschland das Thema Compliance bisher ignorieren. Auch Deutschland selbst behandelt den Schutz von Hinweisgebern bisher stiefmütterlich. Länder wie Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden und die Vereinigten Staaten sind da weiter. Diese haben zum Teil seit Jahren Regelungen zum Whistleblowing.

Der Whistleblower für den Mittelstand

Ein Whistleblower-System macht durchaus auch für kleine und mittelständische Unternehmen, also bei Firmen mit einer Belegschaft zwischen 20 und 250 Mitarbeitern Sinn. Will nicht jeder wichtige Player finanzielle Schäden für sein Unternehmen vermeiden, seine Geschäftstätigkeit sauber halten und so sein Image aufbessern? In deutschen Unternehmen treten mit einem Anteil von 43 Prozent überdurchschnittlich viele Unregelmäßigkeiten auf. Hingegen ist die Zahl der Unternehmen, die in Deutschland ein Hinweisgeber-System eingeführt haben, unterdurchschnittlich. Schäden von mehr als 100.000 Euro sind nicht selten. Es sind vor allem international aufgestellte Unternehmen, die von Unregelmäßigkeiten betroffen sind. Das verwundert nicht. Es ist schon schwierig, national regelkonform zu operieren, wenn in den Unternehmen die entsprechende Struktur fehlt. Ist es da nicht logisch, dass es gerade bei exportorientierten Unternehmen noch schwieriger ist?

Effektivität von internen Meldesystemen

Interne Meldesysteme haben eine hohe Erfolgsquote. Statistisch ist fast jede zweite eingegangene Meldung relevant und substanziell. Die Meldestellen sind also ein wirksames Instrument, um das eigene Unternehmen legal und ethisch zu positionieren.
Unternehmen scheuen oft den Aufwand der Implementierung eines internen Meldesystems. Dabei sind diese Meldesysteme kaum aufwendig. Normalerweise sollten pro Jahr 40-60 Vorfälle gemeldet werden. Die Verarbeitung solcher Meldungen ist daher auch für kleine Unternehmen machbar. Schließlich überwiegt der Nutzen. Whistleblower müssen in so einem System nicht die für sie eventuell negativen Folgen eines negativen Hinweises befürchten. Die Angst vor einer Kündigung muss Mitarbeiter nicht mehr hemmen, Unregelmäßigkeiten anzuzeigen.

EU führt Whistleblower-Schutz EU-weit ein

Im April hat das EU-Parlament eine Richtlinie zum Whistleblower-Schutz beschlossen. Diese muss in den nächsten zwei Jahren von den Mitgliedsländern in nationales Recht umgesetzt werden. Bestehende gesetzliche Regelungen müssen entsprechend angepasst werden.
Das bedeutet, dass zukünftig Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern für sog. Whistleblower einen Schutzschirm schaffen müssen, um die Anonymität zu wahren. Die Richtlinie betrifft Verstöße gegen EU-Recht, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Delikte wie Bestechung im Zusammenhang mit der Vergabe öffentlicher Aufträge. Es ist allerdings wünschenswert aber auch zu vermuten, dass der Gesetzgeber bei der Umsetzung auch nationale Verstöße in die nationale Regelung einbeziehen wird. Unternehmen sollten dabei nicht unterschätzen, dass die Richtlinie vorgibt, dass es zukünftig Hinweisgebern erlaubt sein soll, sich z.B. an Behörden zu wenden, sofern sie im Unternehmen auf Widerstände stoßen.

 

Handeln Sie daher sofort und bauen Sie bereits vor Einführung der neuen gesetzlichen Regelungen ein internes Meldesystem in Ihrem Unternehmen auf. Vermeiden Sie wirtschaftlichen Schaden und verbessern Sie Ihre Reputation am Markt. Wir unterstützen Sie dabei gerne mit unseren Compliance-erfahrenen Rechtsanwälten aus München und Düsseldorf. Nehmen Sie bereits jetzt mit uns für ein unverbindliches Gespräch Kontakt auf.

Rechtsanwalt Salvatore Barba, München

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